Experteninterview: „Bei individuellen Lösungen zeigen wir unsere Kernkompetenz“

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Arne Jankowski vom technischen Vertrieb und Franz Öhlert vom Entwicklungsteam sprachen mit Franke Innovativ über das Projekt Rennwagenfelge und darüber, wie die besonderen Anforderungen dieses Einsatzfalls mit hilfe der Drahtwälzlagertechnologie erfüllt werden konnten.

Herr Öhlert, was haben Sie gedacht, als Ihr Kollege Arne Jankowski erstmals mit der Idee einer Felgenlagerung auf Sie zukam?

Franz Öhlert (schmunzelt): Na ja, die Jungs vom Technischen Vertrieb sind immer für eine Überraschung gut und mein erster Gedanke war: Interessant – aber meint der das im Ernst?

Waren Sie zuversichtlich, Herr Jankowski, dass die Entwicklungsabteilung für die Anfrage der Hochschule Amberg-Weiden eine Lösung erarbeiten würde?

Arne Jankowski: Absolut. Dort sitzen Profis mit langjähriger Erfahrung in der Adaption der Drahtwälzlagertechnik an individuelle Einsatzfälle. Franke ist weltweit dafür bekannt, spezielle Anforderungen zu erfüllen. Gerade bei der Realisation solcher individueller Lösungen zeigen wir unsere Kernkompetenz.

Worin lagen die Besonderheiten im vorliegenden Anwendungsfall?

Franz Öhlert: Neben den üblichen Verdächtigen bei speziellen Lösungen, zum Beispiel kleiner Einbauraum, große Mittenfreiheit und filigranes Aluminiumgehäuse, kamen in diesem Fall noch die hohe Dynamik und die sehr schnell wechselnden Belastungsverhältnisse dazu.

Arne Jankowski: Wir dürfen nicht vergessen, es handelt sich um einen Rennwagen! Da wird ziemlich brachial beschleunigt, gebremst und in die Kurven gesteuert.

Wie sind Sie diesen Anforderungen begegnet?

Franz Öhlert: Franke Drahtwälzlager sind in der Regel Vier-Punkt-Lager, das heißt sie können gleich hohe Belastungen aus allen Richtungen aufnehmen. Es kam daher hauptsächlich darauf an, das Zusammenspiel von Drahtlaufbahn, Kugeldurchmesser und Schmiegung so zu wählen, dass die Belastungsspitzen sicher aufgefangen werden. Wir haben das in diversen Analysen am Rechner simuliert und in zahlreichen Tests in unserem Labor verifiziert.

Arne Jankowski (nickt): Man muss dazu sagen, dass die Studenten der Hochschule sehr kooperativ waren und das Projekt engagiert begleitet haben. Wir hatten Techniker des Rennteams hier vor Ort und sind die Details zusammen durchgegangen. Der enge Kontakt zu unseren Kunden ist ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Umsetzung derartiger Projekte.

Konnten Sie die Erwartungen des Running Snail Racing Teams erfüllen?

Franz Öhlert: Voll und ganz. Das Vorderrad ist durch die Drahtwälzlagernabe leichter und steifer geworden. Die innenliegende Bremsscheibe ist filigraner und die Radaufhängung und -dämpfung konnte schlanker gehalten werden. Dank der Verwendung von Karbon und der Optimierung weiterer Baugruppen konnte das Gesamtgewicht des Wagens gegenüber dem seines Vorgängers halbiert werden.

Arne Jankowski: Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass es bei dieser Rennserie nicht nur um das Fahren und Gewinnen geht, sondern auch um technische Innovationen. Diese werden genauso bewertet wie ein Rennerfolg. Ich denke, mit dieser Radlagerung dürfte ein äußerst spektakulärer Innovationsvorsprung erreicht worden sein.

Gibt es Anhaltspunkte, dass diese Technik bereits Beachtung findet?

Arne Jankowski: Das Running Snail Racing Team war so freundlich, uns einen Radträger für die Hannover Messe zur Verfügung zu stellen. Unsere Werbeabteilung hatte noch ein plakatives Video dazu im Hintergrund platziert und mit dieser Kombination Vertreter zahlreicher Wettbewerbsteams an den Stand geholt, die alle mal an der Drahtwälzlagerfelge herumspielen wollten. Gut möglich, dass wir bald für weitere Teams als Sponsoren auftreten. (Zwinkert seinem Kollegen zu.)

Klingt ja sehr vielversprechend! Was sagt die Entwicklungsabteilung zu diesen Aussichten?

Franz Öhlert (Daumen hoch): Kein Problem  für uns, immer her damit!

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